Die Rotation an den Aktienmärkten hat sich im Februar fortgesetzt. Europäische Titel konnten weiter zulegen, während die amerikanischen Aktienindizes Einbußen verkraften mussten. Seit Jahresbeginn liegt die NASDAQ mittlerweile etwa 4% im Minus, dazu kommen noch Währungsverluste gegenüber dem Euro, so dass für europäische Investoren über 8% Minus zu Buche stehen.
Ein großer Einflussfaktor für diese Entwicklung sind die Aktivitäten von US-Präsident Trump. Die zunächst angekündigten und mittlerweile in Kraft getretenen Zölle auf ausländische Waren und die Aufkündigung von jahrzehntelang bestehenden Allianzen ziehen Konsequenzen nach sich. Da man keine belastbare Kostenkalkulation bei einer Zollpolitik nach Gutsherrenart durchführen kann, sind die USA für viele Unternehmer kein verlässlicher Wirtschaftspartner mehr. Die übrige Welt, allen voran die Länder des globalen Südens, sieht sich gefordert, das Tempo, mit dem man sich von den USA als Import- und Exportmarkt unabhängiger machen möchte, zu forcieren.
Die Macht der vermeintlich stärkeren USA, die Präsident Trump in vielen Belangen gerade auszuspielen versucht, wird unserer Meinung nach gerade durch seine Art des Deal-Makings schneller schwinden, als ihm bzw. den Amerikanern bewusst ist. Wenn man die USA weder als Handelspartner noch als Militärmacht benötigt, verliert deren Stimme an Gewicht. Diese Entwicklung ist nun klar absehbar.
Die amerikanische Wirtschaft durchlebt trotz der bestehenden Konjunkturprogramme eine Wachstumsschwäche. Die Inflation hält sich hartnäckig über den angestrebten Zielkorridoren. Das Verhalten von Elon Musk führt weltweit zu dramatischen Einbrüchen bei Tesla-Verkäufen, obwohl E-Autos insgesamt bei den Zulassungszahlen weiter an Boden gewinnen. Die von ihm geleitete Behörde zur Effizienzsteigerung DOGE verhält sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Viele seiner Entscheidungen und Sparinitiativen werden von Gerichten einkassiert oder haben nicht den gewünschten Effekt auf den Haushalt. Mittlerweile belaufen sich die Zinsausgaben auf etwa 25% der Haushaltsausgaben – und dies ohne Tilgung. Das Haushaltsdefizit liegt weiterhin bei etwa 7%.
Auch die Mitglieder der NATO haben, spätestens seit dem offenen Streit im Oval Office zwischen Trump und Selenskyj Ende Februar, realisiert, dass eine militärische Eigenständigkeit das Gebot der Stunde ist. Alte Gewissheiten werden infrage gestellt und forcieren nun die Emanzipation von der ehemaligen Schutzmacht USA. Ein kreditfinanzierter Aufrüstungsmarathon ist vielleicht nicht das, was man sich als Grundlage für einen Konjunkturaufschwung wünscht. Es ist aber genau das, was den europäischen Aktienmärkten derzeit ein gewisse Kursphantasie verschafft.
Auch die hierzulande geplanten Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen helfen der schwächelnden Baubranche und kurbeln das Wirtschaftswachstum an. Bleibt zu hoffen, dass die Beschlussfassung erfolgreich verläuft und die Gelder auch sinnvoll eingesetzt werden. Es geht dabei nicht einfach darum, Projekte umzusetzen, die auf einem Wunschzettel stehen und für die bisher das Geld gefehlt hat. Im Gedächtnis geblieben sind hierzu sicherlich die rund 825 Millionen Euro, die man aus dem ersten Sondertopf zur Ertüchtigung der Bundeswehr zunächst in Ausgehuniformen investiert hat. Vielmehr gilt es, die bestehenden Vergabe- und Beschaffungspraktiken auf den Prüfstand zu stellen, um die Effizienz und Effektivität zu steigern und auch Prioritäten bei den Ausgaben festzulegen. Nur dann kann es gelingen, die sich bietende Chance zu nutzen und das Wirtschaftswachstum auch nachhaltig zu fördern.
Apropos Chancen: Diese bieten sich nach wie vor im Rohstoff- und Edelmetallsektor. Gerade Gold ist trotz des aktuellen Kurshochs unserer Meinung nach immer noch äußerst günstig. Setzt man die weltweiten Goldreserven der Zentralbank ins Verhältnis zum Aktienmarkt, wird dies greifbar. Alle Goldreserven in den Tresoren der Zentralbanken belaufen sich beim aktuellen Goldpreis von rund 2900 US-Dollar pro Unze auf rund 3 Billionen US-Dollar – insgesamt! Das ist so viel wie der gegenwärtige Börsenwert von Microsoft, also einer einzigen Aktie. Rund 0,5% der weltweiten Finanzanlagen werden in Gold getätigt, obwohl dieses trotz des Anstiegs der letzten zwei Jahre im Vergleich zum Aktienmarkt geradezu absurd unterbewertet ist. Und die Aktien von Goldminen haben im Verhältnis zum Goldpreisanstieg noch kaum reagiert, obwohl die Gewinne geradezu sprudeln.
In unseren verwalteten Portfolios spielen daher, neben europäischen und deutschen Aktien, Rohstoffwerte weiterhin eine prominente Rolle. Ebenso Aktien aus den Schwellenländern, während amerikanische Titel stark untergewichtet bleiben. Obwohl dies deutlich von der Zusammensetzung des weltweiten Aktienindex MSCI Welt abweicht, gibt uns die aktuelle Entwicklung recht und wir sehen derzeit keine Gründe, unsere Positionierung zu ändern.
Für Fragen zu Ihren Anlagen oder rund um das aktuelle Marktgeschehen steht Ihnen Ihr persönlicher Ansprechpartner gerne zur Verfügung.